#takeaction – wir werden 1 Stück

Bonjour Welt!

Gerade sinnieren wir noch über unsere Forschungsresidenz bezüglich Begriffen wie Assistenz, Care oder Hilfe aus der Perspektive von Menschen mit Behinderung bzw. ob wir das Thema really wirklich jetzt performativ auf die Bühne bringen wollen, wenn dieses doch – gerade in diesen unseren Zeiten – auch uns echt nah geht, da flattert schwuppsdiefidibus ein Brief vom Fonds Darstellende Künste bei uns rein: Ey 2021, wir arbeiten dann einmal so ganz offiziell an unserem ersten gemeinsamen Stück, produziert von Un-Label #takeaction! Und es gibt wohl sogar schon ein Datum für die Premiere im Kölner Robolab, aber #nopressure .

Deshalb wird in Kooperation mit dem Künstler:innenhaus Mousonturm aus unserem „Forschungstagebuch“ ein Konzeptionstagebuch, auf dem wir z.B. zu für uns offen gebliebenden Fragen und Themen schreiben sowie den Prozess der Stückkonzeption dokumentieren werden.

An dieser Stelle sei gedankt, Leander, Nele, Maxi vom Mousonturm für die geschenkte Zeit, für die offenen Ohren, Friedrich für den wunderbaren Raum, Lisette/ Un-Label bei der Antragsstellung, dem Fonds Darstellende Künste, all den Menschen, die uns auf den verschiedensten Wegen im letzten Monat unterstützt haben!

Foto von Tom Dachs!

Die vergessene Schweigeminute?

Am Freitag den 11.12. war er, der letzte Tag unserer Forschungsresidenz. An diesem besuchte uns die „Servicestelle Inklusion im Kulturbereich“ des Landesverbandes Soziokultur Sachsen. Denn die arbeitet gerade an der Sichtbarmachung von Künstler:innen und Kulturakteur:innen mit Behinderung im sächsichen Kulturbereich.

In Anbetracht der aktuellen drastischen Situation aufgrund von Covid 19, besonders in Unterkünften wie bspw. Alten- Pflege- und Behindertenheimen, haben wir in unserer letzten Residenzwoche an einer ersten Szene gearbeitet, die nach sozialdarwinistischen und ableistischen Kontinuitäten innerhalb Deutschland sucht.

Unter dem Arbeitstitel „Die Vergessene Schweigeminute“ haben wir theatralisch und performativ nach Wegen gesucht an all jene Menschen zu erinnern, die von der Mehrheitsgesellschaft als bspw. „alt“, „krank“ oder „behindert“ kategoriesiert wurden/werden und so über die Zeiten hinweg aufgrund struktureller Gewalt zu Tode (ge)kommen (sind). All jene, die bspw. in der NS-Zeit umkamen, deren Namen wir noch immer kaum kennen sowie denen, die in der aktuellen Berichterstattung ohne Gesicht, nur als Zahl auftauchen und so medial unter dem Teppich gekehrt werden.

Deshalb sagen wir auch oder gerade in Krisenzeiten:

No Ableism! No Ageism! No Fatphobia! No Homophobia! No Racism! No Sexism! No Transphobia! No Hatefulness!

Assistenz – Inspiration Porn, Solidarität und Schuldgefühle?

(J)e privater/intimer es wird mit dem Wunsch nach Hilfe, um so schwieriger wird es für mich, die ich alles organisiere (…). Das persönliche Budget ist mir ein Brief mit sieben Siegeln. Da der Alltag genug Kraft kostet, habe ich mich bis jetzt nicht drum gekümmert. Andererseits hat jeder mit sich zu tun und so fällt es mir schwer, jemanden von Freunden, Verwandten um Hilfe zu bitten. Ich träume andererseits davon, dass ich ohne schlechtes Gewissen jemanden einspannen kann, beim Aufräumen des Chaos und auch darauf vertrauen kann, dass die Schweigepflicht gilt. Chemie stimmen soll auch. Privat bezahlen….etwas schwierig….zur Not machbar für einige Zeit. Ansonsten sag ich immer, die Pflegerin wünscht sich Distanz, die Ehefrau wünscht sich Nähe… (anonymisierter Facebook- Kommentar zu unserem Aufruf (25.11.2020))

Mehr als 20 Personen haben sich innerhalb der letzten zwei Wochen auf unseren Interviewaufruf u.a. zu den unterschiedlichen Hilfsbeziehungen oder ihren Rollen in puncto Assistenz gemeldet. Bisher haben wir zehn Personen interviewt:

Während manche Assistenz in diesem Berufsfeld arbeitet, weil sie so einen Einblick in eine ihr andere Lebenswelt bekommt, wollen andere etwas Gutes tun, damit sich ein anderer Mensch freut.
Bei anderen hinterlassen solche Positionen einen Beigeschmack von Inspiration Porn und Paternalismus.

Innerhalb der 24 Stunden- Assistenz fragen sich manche Assistenznehmer:innen, wann sie eigentlich einmal Feierabend haben. Wieder andere sehen in Assistenz ein freundschaftliches Verhältnis, in dem Arbeit und Freizeit in einander übergehen und die Leben miteinander zu teilen eine Selbstverständlichkeit wird.

Darüber hinaus fragen wir uns: Kann :mensch eigentlich noch von persönlicher Assistenz sprechen, wenn die Assistenz nicht direkt bei den eigentlichen Assistenznehmer:innen angestellt ist, sondern bei den Eltern? Welche neuen Beziehungskonstellationen und Loyalitätskonflikte können durch dieses Assistenzverhältnis entstehen?
Und wo kommen die Schuldgefühle und das schlechte Gewissen her, wenn :mensch bspw. im Haushalt um Unterstützung bitten muss?

Spannend und wichtig für uns, war auch der Exkurs in die sogenannten „Behindertenhilfe“ der ehemaligen DDR, eine Perspektive, die in der bundesdeutschen Debatte zur Dimension Behinderung oft fehlt.

Einig waren sich alle Interviewpartner:innen: Die Assistenz ist dem Heim vorzuziehen. Außerdem scheint ein allgemein gültiges Regularium von Assistenzbeziehungen nicht erstrebenswert, weil in diesen stets Individuen mit unterschiedlichen Perspektiven, Bedürfnissen und Lebensentwürfen zusammenkommen.

Wir bedanken uns an dieser Stelle recht herzlich bei allen Interviewteilnehmenden für ihre Zeit und Offenheit!

Was haben wir jetzt mit all den gesammelten Stimmen vor? Wir werden nochmals in eine tiefergehende Auswertung gehen. Denn geplant ist, dass wir einige der Positionen in unserem angedachten Stück selbst zu Wort kommen lassen werden.

Stevil und Blond – verpixtelt zu hören –

Wir wollen eure „besten“ Amtszitate

Hallo!!!!

Wir leben bekanntlich in einem sogenannten „Sozialstaat“ in welchem „Hilfe“ von Amts wegen bewilligt oder abgelehnt wird. Gerade Menschen mit Behinderung kennen die blumigen Auswüchse im Dschungel der Bescheide von KSV, LVR, Sozialamt etc. Aber auch Ämter wie z. b. das Jobcenter, die Arbeitsagentur und das Bundesamt für Migration finden immer wieder interessante Formulierungen. Und hier folgt unsere Bitte an euch: Schickt uns die besten Zitate aus all euren Bescheiden, Anträgen etc. an diese Emailadresse 👉 Jana.zoell@gmx.de.

Hier der Text zu unserem Kehrreim-Aufruf:

bist du behindert /oder bist du von behinderung bedroht/
disst dich die mehrheitsgesellschaft/ wär‘ ich du, wär‘ ich lieber tot/
dealt der endboss amt deinen bescheid/
die maßnahmen zur gliederung/ bemessen an deiner erwerbsfähigkeit trägerübergreifend persönliches budget /oh yeah!

und durch amtsgänge schallt/
progressionsvorbehalt!
sgb, bthg/ icf und itp
yo fanta 4/ mfg
trägerübergreifend persönliches budget

es grüßt recht freundlich/und zweifelsohne
ihre eingangszone

Assistenz, Fürsorge, Care? – Ein Einblick in unsere erste Recherche

In welchen Bereichen des Lebens begegnen uns Worte wie Assistenz, (Für)Sorge und Hilfe, die mittlerweile unter dem Care-Begriff verhandelt werden? Ist letzterer aus der Sicht von Menschen mit Behinderung diskussionswürdig? Sind Personen, speziell Frauen, mit Behinderung eigentlich auch Fürsorge-Geber:innen?

In unserem zweiten Audiobeitrag geben wir einen Einblick in unsere bisherige Recherche zu diesen und anderen Fragen. Wichtig ist uns, dass auch diese als ein Prozess verstanden wird.

Darum, bei Anmerkungen, Anregungen, Fragen und Kritik meldet euch gern!

Herzlichst,

Blond and Stevil

Wir suchen Interviewpartner:innen!

Hallo Welt!

Wir sind Jane Blond and that Stevil Kniewel ein junges Performance-Duo mit Behinderung.
Derzeit beschäftigen wir uns mit den Themen wie Assistenz, Care, Hilfe und Pflege.
Deshalb suchen wir euch als Interviewpartner:innen!

Ihr seid…
… Menschen mit Behinderung und Unterstützungs-/Assistenz-/Hilfebedarf o.ä.?
… Menschen die Menschen mit Behinderung unterstützen/assistieren/helfen o. ä.?
… oder ihr findet euch in beiden Rollen wieder, also in der unterstützenden und Unterstützung empfangenden?

Uns interessieren eure Perspektiven auf die Themen. Wie geht ihr mit eurem Unterstützungsbedarf um? Was sind eure Perspektiven auf die Beziehung zwischen Menschen, die unterstützen und Menschen die Unterstützung empfangen? Welche verschiedenen Beziehungsformen gibt es? Welche könnte es geben?

Wenn ihr Interesse habt euch mit uns darüber zu unterhalten, meldet unter der Email-Adresse: Jana.zoell@gmx.de

Wir sind gespannt und freuen uns auf euch!

Eure Jane & Stevil

Was haben wir vor?

Was ist der Hilfsgestus unserer Gesellschaft? Wo beginnt Abhängigkeit? Was gibt es für Bilder von Hilfe? Wie hängen Hilfe, Hilfsgestus und Abhängigkeit zusammen? Bedeutet Bedürftigkeit immer gleich Abhängigkeit und Hierachie?

Innerhalb der Assistenzthematik wollen wir untersuchen, ob eine gegenseitige, gleichwertige Abhängigkeit ein anzustrebendes Ziel wäre, welches Augenhöhe erzeugt? Ist eine gleichwertige Abhängigkeitsbeziehung überhaupt möglich oder ist eine Seite (hier vermutlich die Person mit Behinderung) nicht immer abhängiger? Welche Haltungen gibt es in der Assistenz und welche Art von Beziehungen können daraus erwachsen? Kann man Carearbeit und Liebe mischen, oder entsteht automatisch ein ungleiches Abhängigkeitsverhältnis? Was ist der Unterschied zwischen (Sexual)objekt und (Sexual)person? Geht Pflege immer auf Kosten von sexueller Attraktivität oder ist das ein ableistisches Denkmuster? Wie lassen sich die Muster des gängigen Care-Bereichs subversiv unterwandern? Vielleicht durch einen neuen Begriff der Kommune? Und bleibt das alles im Kapitalismus nicht zutiefst widersprüchlich?

Mit diesen und weiteren Fragen wollen wir uns in den kommenden Wochen unserer Forschungsresidenz beschäftigen.

Wer sind Jane Blond and That Stevil Kniewel?

Jane Blond and that Stevil Kniewel bestehen aus Jana Zöll und Steven Solbrig. Als solche haben wir uns im März 2020 zusammengefunden.

Als Performer:innen mit Behinderung und teilweise mit Assistenzbedarf sind wir immerwährend mit den Hierachien und Wertschätzungen konfrontiert, die in unserer kapitalistischen Gesellschaft, mit Unterstützungsbedarf und Abhängigkeit(en) einhergehen.

Wir wollen die wirkenden Mechanismen und Zusammenhänge besser verstehen und künstlerisch-performativ erkunden, um herauszufinden, ob :mensch auch eine andere Geschichte von Hilfe erzählen kann? Eine Geschichte über [kehr]-Arbeit aus der Perspektive von Menschen die in normativen Rollenzuschreibungen diejenigen sind, um welche „sich gekümmert werden muss“ – eine Geschichte gegenseitiger Unterstützung und Wertschätzung?

That Stevil Kniewel and Jane Blond @Solbrig

Ein erster unbeholfener Audio-Beitrag

Voila unser erster Audiobeitrag! Am ersten Tag unserer Residenz stellen wir uns die wirklich existenziellen Fragen des digital age à la „Wer sind wir?“ und „Was machen wir hier eigentlich?“ Außerdem erklären wir, warum wir es nicht schaffen werden, unser Forschungslogbuch an die Standards der digitalen Barrierefreiheit anzupassen und warum wir versuchen unseren Arbeitsstand auf mehreren Wegen zugänglich zu machen.

Darüber hinaus sprechen wir über Sinnfragen zu Kunst und Kultur in Zeiten von Corona d.h. zu unseren Arbeitsbedingungen und fordern auf mit uns diesbzgl. in den Austauch zu treten. #blondandstevil #kehr #äh

Und hier noch einmal ein Interview mit Jana vom März 2020 u.a. zur Pandemie, zur Kampagne #risikogruppe und zu“Appellen der Solidarität“.

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